Das deutsche Kino unter dem Nationalsozialismus: Propaganda- und Unterhaltungsmittel
Von Weimar zu Hitler: Das deutsche Kino unter dem Joch der Nationalsozialisten
In seinen frühen Jahren (≈1895–1900) ist das Kino in Deutschland vor allem ein Jahrmarktsphänomen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt es sich langsam weiter, bleibt jedoch aus industrieller Sicht weniger gut organisiert als das französische oder italienische Kino. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs stellt einen Wendepunkt dar. Die Staaten erkennen, dass das Kino zu einem nützlichen Propagandamittel werden kann, um die Bevölkerung zu beeinflussen. Deutschland ist im Vergleich zu anderen Ländern im Rückstand, weshalb seine Propagandadienste deutlich weniger wirksam sind als diejenigen der Franzosen oder der Amerikaner.
1917 wird die Gründung eines großen Unternehmens beschlossen, das diese Aufgaben übernehmen soll: die Universum Film AG (U.F.A.). Gegründet von Soldaten, Unternehmern und Politikern, soll sie zunächst die Kriegsanstrengungen unterstützen. Nach dem Krieg spielt sie eine Hauptrolle im deutschen Kino: erst als Produktionsfirma, dann mit der Produktion von Wochenschauen und schließlich durch den Aufbau eines Netzwerks hochmoderner Kinosäle, sogenannter „Kinopaläste“, wie dem berühmten Ufa-Palast am Zoo in Berlin (mit über 2.000 Plätzen). Gleichzeitig entwickelt sich im deutschen Kino eine der bedeutendsten filmischen Strömungen der Filmgeschichte: der Expressionismus.
Die Grauen des Krieges und die damit verbundenen Traumata beeinflussen die künstlerischen Darstellungen maßgeblich. Die Expressionisten schaffen Werke, in denen sich eine düstere, seltsame und manchmal beklemmende Sicht auf die sie umgebende Welt widerspiegelt. Mit Robert Wiene „Das Cabinet des Dr. Caligari“ setzt sich der Expressionismus im Kino durch. Die Ausstattung ist sehr stilisiert, die Beleuchtung kontrastreich, was eine beklemmende Atmosphäre schafft. Obwohl es nur wenige davon gibt, verschaffen diese expressionistischen Filme dem deutschen Kino internationale Anerkennung und prägen die Filmgeschichte langfristig.
Foto 1 : Niederländisches Nationalarchiv – Nachtansicht des Kinos Ufa Palast am Zoo vom Eingang der U-Bahn-Station Zoologischer Garten in Berlin aus.
Foto 2 : Alle Rechte vorbehalten – Deutsche Filmplakat zum Film Das Cabinet des Dr. Caligari (Robert Wiene, 1920).
Foto 3 : Archives cinématographiques de l’est – Skizze eines Kinosaals zu Beginn des Tonfilms in Deutschland im Jahr 1896, entnommen aus dem Werk Vom Werden der deutschen Filmkunst: Der Tonfilm von Oskar Kalbus.
Foto 4 : Niederländisches Nationalarchiv / Spaarnestad Photo – Die U.F.A.-Studios im Jahre 1928. Auf dem Bild sind die Kulissen mehrerer Filme von Fritz Lang zu sehen: rechts das Schloss aus Die Nibelungen (1924) und unten die Gebäude aus Metropolis (1926).