Das Kino: eine Kulturindustrie unter Kontrolle
Auch wenn das Kino keine Branche wie jede andere ist, strebt dieses Bestätigungsfeld dennoch nach Wirtschaftlichkeit. Und man braucht viel Geld, um Filme zu drehen, selbst unter dem Nationalsozialismus. Vielleicht sogar noch mehr unter einem Regime, das diese Gesamtkunst in den Dienst eines Ehrgeizes stellt: die Massen aufzuklären und zu bilden, aber auch zu unterhalten. Und dafür müssen die Filme einem sehr breiten Publikum gefallen, sowohl in Deutschland als auch im Ausland, unabhängig von den politischen Ansichten der Zuschauer.
Goebbels ist bestrebt, das Kino sowohl zu einer wichtigen Form der Massenunterhaltung als auch zu einer wirksamen Propagandawaffe zu gestalten, insbesondere wenn es die politische Lage erfordert. Dabei ist ihm völlig bewusst, dass Propaganda nur dann wirksam ist, wenn sie nicht als solche erkennbar ist.
Ziel ist es, jährlich etwa hundert Filme zu produzieren. Die Filmindustrie erreicht dies zwischen 1933 und 1939, doch mit dem Kriegseintritt wird es schwieriger, Filme zu drehen. So entstehen 1942 nur dreiundfünfzig Filme in den Produktionsstudios der vier großen Filmgesellschaften – U.F.A., Bavaria-Film, Terra-Film und Tobis AG –, die sich im Januar 1942 zur UFA-Film (U.F.I.) zusammenschließen. Eine vollständige Verstaatlichung, die die totale Kontrolle der Nazis über die Filmindustrie markiert und zurückhaltend inszeniert wurde: die Filme behalten die Logos der ursprünglichen Studios bei.
Auch die Zahl der Kinosäle steigt von 5.071 im Jahr 1933 auf 7.042 im Jahr 1942. Dieses Wachstum wurde durch umfangreiche Investitionen ermöglicht, vor allem aber durch die Ausdehnung des Reichs im Zuge der Eroberungen, wodurch zahlreiche bestehende Kinosäle übernommen wurden. Diese massiven Investitionsmaßnahmen in die Kinobranche führen zu einem erheblichen Anstieg der Besucherzahlen. So steigen die verkauften Eintrittskarten von 245 Millionen im Jahre 1933 auf über eine Milliarde in den Jahren 1942, 1943 und 1944. Diese Zahl allein belegt die zentrale Rolle, die das Kino damals im Alltag der Deutschen und der Bevölkerung der annektierten Gebiete spielte. Im Vergleich dazu wurden in Frankreich im Jahre 1944, dem Jahr mit den höchsten Verkaufszahlen, 300 Millionen Eintrittskarten verkauft.
Foto 22 : Niederländisches Nationalarchiv – Tonfilmprojektor in den UFA-Studios (1930).
Foto 23 : Niederländisches Nationalarchiv – Mischpult in den UFA-Studios (1930).
Foto 24 : Bundesarchiv – Adolf Hitler und Joseph Goebbels bei einem Besuch in den UFA-Studios in Babelsberg (Potsdam) im Januar 1935.