Ein Kino in den Diensten der nationalsozialistischen Ideologie
Aufgrund seiner Fähigkeit, die breite Masse direkt im Herzen zu erreichen, entwickelt sich das Kino zum bevorzugten Instrument des NS-Regimes. Ein ideales Mittel, um die eigene Ideologie zu verbreiten und zur Gleichschaltung der deutschen Gesellschaft beizutragen. Dank der Kontrolle, die Goebbels über die gesamte Filmproduktion ausgeübt hat, ist das deutsche Kino in der Lage, Filme zu produzieren, die den ideologischen Zielen des Regimes entsprechen. Die häufigsten Themen dieser Filme sind Heldentum, die Aufopferung des Einzelnen für die Volksgemeinschaft, die Verherrlichung der deutschen Geschichte und ihrer großen Persönlichkeiten, die Verunglimpfung der Feinde des Reichs sowie die Förderung und Aufwertung der Wehrmacht und der Parteiorganisationen. Diese Themen finden sich anschließend in verschiedenen Filmgenres wieder: Dokumentarfilme, Kriegsfilme, Melodramen, Volkskomödien usw.
Der Nazi-Propaganda lassen sich zwei wichtige Phasen zuordnen.
- Die erste, zu Beginn des Regimes, zielt darauf ab, durch Filme wie, „Hans Westmar“, „Hitlerjunge Quex“ oder „SA-Mann Brand“ das Bild des „neuen Menschen“ zu schaffen. Ein Teil dieser Filme ist zudem entschieden antikommunistisch.
- Der zweite Teil, der zwischen 1939 und 1942 entstanden ist, widmet sich der Darstellung der Gegner des Nationalsozialismus, darunter vor allem die äußeren Feinde, wie das Deutschland gegenüberstehenden Nationen (England, dann die UdSSR, wobei Frankreich relativ verschont blieb), sowie die Juden, die als innere Feinde bezeichnet wurden.
Die Frage der antisemitischen Filme spielt in der Geschichte des NS-Kinos eine zentrale Rolle. Zum ersten und einzigen Mal in der Geschichte wurden Filme gedreht, die sich explizit gegen eine Religion und ihre Anhänger richteten und in direktem Zusammenhang mit dem Aufkommen einer Politik der systematischen Verfolgung standen. Fünf Filme sind Teil dieser Bewegung: „Robert und Bertram“, „Leinen aus Irland“, „Jud Süss“, „Der Ewige Jude“ und „Die Rothschild“. Hinzu kann man zwei weitere Filme zählen: „Venus vor Gericht“ und „Wien 1900“ lassen sich ebenfalls dieser Auswahl zuordnen. Diese Filme sind Teil der zunehmenden antisemitischen Verfolgung nach den Pogromen von 1938. Joseph Goebbels selbst ist der Auslöser dieser Welle, indem er die Filmschaffenden aufforderte, antisemitische Filme zu produzieren, in denen jüdische Figuren zentrale Rollen einnehmen sollten. Das Kino war damals das einzige Medium, das keine antisemitische Propaganda „verbreitete“.
Schließlich stellen die Nazi-Propagandafilme, obwohl sie für die Geschichte des deutschen Kinos unter dem Nationalsozialismus symbolisch sind, nur einen kleinen Teil alle Filme dar, die zwischen 1933 und 1945 in Deutschland produziert wurden. Je nach den zugrunde gelegten Kriterien beträgt dieser Anteil zwischen 5 und 10 %. Die nationalsozialistischen Behörden unter der Führung von Joseph Goebbels waren sich durchaus bewusst, dass das Kino nicht nur ein Propagandainstrument sein durfte. Um das Publikum weiterhin zu unterhalten und zu begeistern, musste das Kino über seine ideologische Rolle hinaus auch ein angenehmes und eindrucksvolles Freizeitvergnügen bleiben
Foto 14 : Privatsammlung William Gillespie – Plakat zum Film Hitlerjunge Quex (1933, Hans Steinhoff). Der Film basiert auf der wahren Geschichte des jungen nationalsozialistischen Aktivisten Herbert Norkus, der 1932 in Berlin ermordet wurde. Die Nazis beschlossen, diese Geschichte – die auf einem gleichnamigen Roman basiert – zum Symbol für die Opferbereitschaft der deutschen Jugend angesichts der Gewalt kommunistischer Aktivisten zu machen.
Foto 15 : Archives cinématographiques de l’est – Manfred Kömpel-Pilot und Heinz Klingenberg in SA-Mann Brand (1933, Franz Seitz Sr.), Foto aus dem 1935 erschienenen Werk Vom Werden der deutschen Filmkunst: Der Tonfilm von Oskar Kalbus.
Foto 16 : Deutsche Historische Museum – Plakat zum antisemitischen Dokumentarfilm Der Ewige Jude (1940) unter der Regie von Fritz Hippler, dem Reichsfilmintendant.
Foto 17 : Archives cinématographiques de l’est – Paul Wegener und Emil Lohkamp im Film Hans Westmar (1933, Franz Wenzler), Foto aus dem 1935 erschienenen Buch Vom Werden der deutschen Filmkunst: Der Tonfilm von Oskar Kalbus. Dieser Spielfilm handelt von Hans Westmar, einem Mitglied der SA, der im Arbeiterviertel Berlin-Friedrichshain neue Mitglieder für die NSDAP anwerben soll. Westmar gelingt es, den Einfluss der NSDAP auf Kosten der Kommunistischen Partei zu stärken. Die Kommunisten beschließen daraufhin, ihren politischen Gegner zu ermorden.