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Die Germanisierung des Kinos im Elsass und im Moselgebiet

Das deutsche Kino in der Zwischenkriegszeit im Elsass und im Moselgebiet

Nach achtundvierzig Jahren der Annexion verfolgen die französischen Behörden weiterhin das Ziel, das Elsass und das Moselgebiet zu „französisieren“. Der Gebrauch der französischen Sprache muss gestärkt werden, ebenso wie die Verbindung den nationalen kulturellen Werten. In diesem besonderen Kontext steht das Kino nun an vorderster Front.
Bereits 1919 wurde ein spezifischer Filmpropagandadienst für das Elsass und das Moselgebiet eingerichtet. Französisch orientierte Bildungs- und Kulturfilme werden landesweit ausgestrahlt. Eine Bildungs- und Kulturpropaganda, die in den Kinos ihre Wirkung entfaltet. Aus offensichtlichen kulturellen und sprachlichen Gründen schätzt das lokale Publikum deutsche Filme und vor allem solche in deutscher Sprache besonders. Im Jahre 1931 sprechen nur 17 % der Elsässer und Mosellaner Französisch.


Das Aufkommen der Tonfilme führt zu tiefgreifenden Veränderungen im Kinobetrieb: die Mehrheit der Einwohner zeigt sich empfänglicher für Filme mit deutschen Dialogen als für solche mit französischen. Diese Lage verursacht mehrere Probleme. Die Behörden befürchten, dass das Kino den seit 1919 eingeleiteten Französisierungsprozess behindern könnte, da Filme als sprachliche Vermittler wahrgenommen werden, die die Zuschauer dazu anregen, weiterhin Deutsch zu sprechen. Die Elsässer und Mosellaner sind ebenfalls von einer landesweiten Begrenzung der Anzahl ausländischer Filme betroffen. So hat ein französischer Kinobesucher im Jahre 1931 in Paris bessere Chancen, einen deutschen Film zu sehen, als in Straßburg.
Manchmal kommt es zu widersinnigen Ereignissen. Ende 1930 wird der Film „Vier aus der Infanterie“ des deutschen Regisseurs George Wilhelm Pabst in Straßburg ausschließlich in einer französischen Fassung gezeigt, was beim lokalen Publikum nicht gut angenommen wird. So kommt es immer häufiger vor, dass man die Grenze nach Deutschland überquert, um sich deutsche Filme anzusehen.


Zur gleichen Zeit verbieten die deutschen Behörden die Vorführung des Films „Im Westen nichts Neues“, nachdem nationalsozialistische Aktivisten unter der Führung von Joseph Goebbels Druck ausgeübt haben. Mit dem Ergebnis, dass Hunderte deutscher Zuschauer die Grenze überqueren, um sich diesen Film in Straßburg oder in der Gegend um Forbach im Departement Moselle anzusehen.

Foto 31 : Stadtarchiv Thionville (57Fi 294) – Rue du Maréchal Foch in Hayange; auf der linken Seite ist das Kino „L’Eldorado“ zu sehen (zwischen 1910 und 1920).

Foto 32 : Departementsarchiv Moselle (11 Fi 173) – Entwurf für ein Werbeplakat in deutscher Sprache für das Kino „Scala“ in Thionville, um 1935.

Foto 33 : Stadtarchiv Thionville (83Fi 23) – Innenansicht des Kinos „Rex“ in der Rue du Pont in Thionville, um 1930.