Welche Filme wurden gezeigt ?
Je nach Zeitraum, während der De-facto-Annexion und je nach Kino sind zwischen 85 und 100 % der im Elsass und im Moselgebiet gezeigten Filme deutsche Produktionen. Danach folgen italienische Filme und italienisch-deutsche Koproduktionen, von denen einige in den Top-Listen der untersuchten Städte auftauchen: Mutter in Colmar und Straßburg; Premiere der Butterfly in Metz oder auch Alkazar (Metz und Thionville). Andere Länder sind eher sporadisch im Programm vertreten (Japan, Mexiko, Spanien und Ungarn).
Der Reiz des Neuen
Die nationalsozialistischen Behörden achten darauf, sowohl in den großen als auch in den kleineren Städten neue Filme anzubieten. In Metz und Straßburg haben einige Kinos das Exklusivrecht für neue Filme, während andere sich eher auf die Wiederaufführung von Filmen konzentrieren, die bereits vor mehreren Monaten oder sogar Jahren erschienen sind. Für die Zuschauer ist dies damals die einzige Möglichkeit, einen Film, der ihnen zuvor gefallen hat, noch einmal zu sehen.
Straßburg stellt dennoch eine regionale Ausnahme dar. Dort werden die Filme bereits in Rekordzeit nach ihrer Uraufführung (oft in Berlin) gezeigt. Die Stadt gilt in den Vertriebsnetze des Reichs als Besitzerin. In Metz sind diese Fristen zu Beginn der De-facto-Annexion ebenfalls kurz. Im Laufe der Zeit jedoch, wobei der Film immer knapper wird, wird die Stadt immer schlechter erreichbar.
Die meitsgesehenen Filme
Die Auswertung von mehr als fünftausend Spielfilmen, die zwischen Juli 1940 und November 1944 gezeigt wurden, belegt eine bemerkenswerte Einheitlichkeit in den Kinos des Elsass und des Moselgebiets: die am häufigsten gezeigte Filme gehören fast ausschließlich zum Unterhaltungsgenre. Komödien, Melodramen, Musikfilme und Heimatfilme dominieren die Ranglisten, während Filme mit offener Propaganda deutlich in der Minderheit bleiben.
Sich rühren lassen: die großen Melodramen
Melodramen zählen zu den beliebtesten Filmen dieser Zeit. Die goldene Stadt, der in den untersuchten Städten am häufigsten gezeigter Film (fast 476 erfasste Vorführungen), erzählt das tragische Schicksal einer jungen Bäuerin, die von der Stadt Prag fasziniert ist und deren Träume von Emanzipation in eine Katastrophe führen. Weitere Erfolge lassen sich in den Kinocharts ausmachen: Annelie (270 Vorführungen), der den Lebensweg einer jungen Frau nachzeichnet, die mit den Herausforderungen des Lebens konfrontiert ist, sowie Mutter, in dessen Mittelpunkt die Opfer einer Mutter angesichts der Schwierigkeiten ihrer Zeit stehen. Sie alle basieren auf denselben Elementen, die darauf abzielen, beim Publikum Emotionen zu wecken: unerfüllte Leidenschaften, Familienkonflikte, die Last des Schicksals und moralische Dilemmata.
Foto 61 : BNUS – Werbeplakat für das Kino SCALA zum Programm des französisch-italienischen Films Mutter (1941, Guido Brignone) mit dem Schauspieler Beniamino Gigli im März 1942.
Foto 62 : Privatsammlung William Gillespie – Filmplakat zu Annelie (1941, Josef von Baky).
Gesamtrangliste der meistgezeigten Filme in den Städten Colmar, Metz, Mulhouse, Munster, Saint-Avold, Straßburg und Thionville. Das gesamte Kinoprogramm aller Kinos in diesen sieben Städten wurde in einer Datenbank zusammengestellt. Anschließend wurde die Anzahl der Vorführungen für jeden programmierten Film addiert. Diese Methode ermöglicht es, die beliebtesten Filme und Genres herauszustellen, auch wenn sie dabei gewisse lokale Unterschiede ausblenden kann. Logischerweise hatten Filme, die in den ersten Jahren der Annexion erschienen sind, eine größere Chance, erneut gezeigt zu werden.