Der eingeschränkte Vertrieb deutscher Filme zielt nicht nur darauf ab, die Förderung des Deutschgebrauchs zu verhindern, sondern auch darauf, die Verbreitung bestimmter Titel einzuschränken, indem nur deren französische Fassung zugelassen wird. Auf diese Weise macht sich eine Zensur bemerkbar, die sich zunehmend auf das Elsass und das Moselgebiet auswirkt. Der Machtantritt der Nazis in Deutschland verstärkt dieses Phänomen noch zusätzlich. Man misstraut zunehmend dem, was deutsche Filme vermitteln können, sobald sie unter der Kontrolle des Propagandaministeriums produziert werden.
Angesichts zurückgehender Besucherzahlen, die von den Kinobetreibern der drei Departements gemeldet werden, muss die Regierung daher ihre Kontrolle über den Filmvertrieb lockern. Ab Juli 1934 erhalten die Kinos in den zurückeroberten Gebieten eine Quote für zugelassene deutschsprachige Tonfilme sowie eine vorgeschriebene Quote für französischsprachige Filme. Diese Prozentsätze werden je nach Stadt und je nach Zugehörigkeit ihrer Einwohner zur deutschen Sprache angepasst. Es handelt sich um die in der Geschichte des französischen Kinos bisher beispiellose lokale Adaption, da sie sprachliche Besonderheiten bis ins kleinste Detail berücksichtigt.
So dürfen Kinos in Metz beispielsweise 10 bis 60 % deutsche Filme zeigen, in Straßburg 10 bis 50 %, in Thionville 20 bis 50 % und in Mulhouse 10 bis 75 %. Der Staat versucht damit, den Erwartungen des dialektsprechenden Publikums gerecht zu werden. Diese Politik führt dazu, dass deutsche Filme in den drei Départements während der gesamten 1930er Jahre weiterhin stark verbreitet sind.
Foto 34 : BNUS – Les Dernières Nouvelles de Strasbourg, 01.08.1939. Das lokale Publikum schätzt deutsche Filme wegen ihrer künstlerischen und thematischen Qualitäten. Davon zeugt diese Anzeige, die wenige Tage vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in der DNA erschien und ein Doppelprogramm mit Zarah Leander anlässlich des Kinostarts des Films „Magda“ (auf Deutsch: „Heimat“, 1938, von Carl Froelich) ankündigte. Dieses Programm wird um eine zweite Woche verlängert.
Foto 35 : AVES – Das Kino Union Theater (U.T., Rue des Francs-Bourgeois 3, Straßburg) im Jahr 1937 mit einem doppelten Plakat in Französisch und Deutsch für den Film „Tempête sur le Mont Blanc“ („Stürme über den Mont Blanc“, 1930, Arnold Fanck).