Elisabeth Schmal (1927-2021)
„Und dazu kam noch der Krieg, es gab Versorgungsengpässe, aber noch nie waren die Künstler so kreativ wie damals. Zu jedem Film gab es ein Lied, das zum Hit wurde, Oh là là! (…) Und am folgenden Tag gingen wir los, um die Partitur zu kaufen. Ich hatte eine Freundin, die Klavier spielte, also spielte sie auf ihrem Klavier und wir sangen mit. Wir waren total begeistert! Genau wie die Fans von heutzutage! (…). Was einen Film ausmachte? Es war die Geschichte, ob er gut gespielt wurde und vor allem die Lieder!“.
Elisabeth erinnert sich noch sehr gut an die Stars, die sie bewunderte. Unter all den Stars schätzte sie besonders den Schauspieler Johannes Heesters, Zarah Leander und Ilse Werner.
„Ilse Werner war großartig. Sie sang, sie pfiff, sie war fantastisch. [Die Filme] bescherten uns eine Freude, die wir während des Krieges nirgendwo sonst finden konnten.“.
Auch ohne die Filme noch einmal gesehen zu haben, kann sie immer noch ganz bestimmte Szenen zitieren, die sie begeistert haben: „Das war in „Münchhausen“. Da gab es diese berühmte Szene, in der aus den Blumen Menschenköpfe wuchsen. Das war fa-n-tas-tisch. Ich glaube, es war auch Ilse Werner, die diese Rolle an der Seite von Hans Albers spielte.“.
Sie schrieb Briefe an Stars, um Autogramme zu erbitten. Der Österreicher Hans Moser antwortete ihr: „Wir waren jung, sechzehn Jahre alt, Fans von Künstlern, so wie Jugendliche heute Fans von Bands sind. Also schrieben wir ihnen … Aber er war der Einzige, der mir geantwortet hat …“
Elisabeth hat diese Erinnerung jahrzehntelang aufbewahrt, ebenso wie etwa dreißig weitere Postkarten. Darauf sind unter anderem Ilse Werner, Harry Piel, Ferdinand Marian, Viktor de Kowa, René Deltgen und Lizzi Waldmüller zu sehen. Der Titel des Films, in dem sie den Schauspieler oder die Schauspielerin gesehen hat, ist manchmal auf der Rückseite vermerkt. Elisabeth erlitt jedoch nach Kriegsende eine tiefgreifende psychische Verletzung, da sie diese Leidenschaft nicht weiter ausleben konnte. Sie sprach häufig von einer „Ächtung“, um das Schicksal der Schauspielstars aus nationalsozialistischen Filmen nach dem Ende des Krieges zu charakterisieren:
„Als der Krieg vorbei war, war das ein Tabu. Über alle deutschen Künstler wurde nicht mehr gesprochen. Sie wurden alle geächtet. (…) Ich weiß es nicht, waren sie Nazis oder nicht? Mit sechzehn hat man sich damit nicht beschäftigt. Aber waren sie Nazis oder nicht? Na ja, Ilse Werner. Sie war in Ordnung. Ich habe sie später im Fernsehen gesehen. Sie sagte: ‚Man musste ja essen, man musste arbeiten.‘ Was hätten sie denn tun sollen? Hätten sie wie Marlene Dietrich nach Amerika gehen sollen? Und trotzdem haben die Deutschen ihr nach dem Krieg Vorwürfe gemacht, weil sie ihrem Land untreu gewesen war … Was soll man in solchen Fällen tun? Was soll man denn tun?“
Foto 77 : Niederländisches Nationalarchiv – Der Schauspieler Hans Albers (1891–1960) in Münchhausen (1943, Josef von Baky).
Foto 78 : Deutsches Filminstitut & Filmmuseum – Viktor de Kowa (1904-1973) et Grethe Weiser (1903-1970) dans Wir machen Musik (1942, Helmut Käutner).
Foto 79 : Deutsches Filminstitut & Filmmuseum – Die Schauspielerin Ilse Werner (1921–2005) in Das Leben kann so schön sein (1938, Rolf Hansen).