Der Deutsch-Französische Krieg 1870 und die Annexion des Elsass
und des Département Moselle an das Deutsche Reich
Obwohl das Elsass und das Département Moselle 1870 zu Frankreich gehören, bricht ein Krieg aus, in dem Frankreich gegen Preußen und dessen Verbündete aus dem Norddeutschen Bund kämpft.
Innerhalb weniger Monate unterliegt Frankreich dem Deutschen Reich, das im Januar 1871 im Schloss von Versailles ausgerufen wird. Der am 10. Mai 1871 in Frankfurt unterzeichnete Friedensvertrag gliedert das Elsass und das Département Moselle dem Deutschen Reich an.
Die drei französischen Departements werden Teil des Reichslandes Elsass-Lothringen.
Während sich 50 000 Elsässer und Mosellaner für die französische Staatsangehörigkeit entschiedet haben und ihre Heimat verlassen, wechselt die elsässische und mosellanische Bevölkerung die Staatsangehörigkeit und wird deutsch.
Das Reich führt daraufhin seine Gesetze und seine Sprache ein und prägt das Gebiet mit seiner Kultur.
Bildnachweis: Musée Carnavalet.
Bildnachweis: Geschichtszentrum Alsace-Moselle, NICOLE-Bestände.
1914–1918: Der Erste Weltkrieg
Während des Ersten Weltkriegs dienen 380 000 Elsässer und Mosellaner in der deutschen Armee, während weitere 18 000 fliehen und sich der französischen Armee anschließen. Dieser Bruderkrieg ist für die Bevölkerung des Elsass und des Departement Moselle besonders schmerzhaft.
Die Rückkehr nach Frankreich und die Zwischenkriegszeit
Nach dem Sieg Frankreichs und seiner Verbündeten werden das Elsass und das Departement Moselle wieder Französisch. Nach dem Waffenstillstand vom 11. November 1918 und dem am 28. Juni 1919 unterzeichneten Friedensvertrag von Versailles verlief diese Rückkehr nach Frankreich für die Elsässer und Mosellaner, die diese Rückkehr zwar sehr begrüßten, dennoch chaotisch.
Die französische Verwaltung begeht einen Fehler nach dem anderen, indem sie nicht jedem die französische Staatsangehörigkeit gewährt, Menschen ausweist, die französische Sprache vorschreibt und einen Rechtsrahmen schafft, der ursprünglich die Besonderheiten des Elsass und des Departements Moselle nicht berücksichtigt.
Autonomistische Strömungen tauchen auf.
Die zunehmenden Gefahren in Europa, insbesondere der Amtsantritt Adolf Hitlers als Reichskanzler am 30. Januar 1933, führen im Herzen des Gebiets zu der Angst vor einem bevorstehenden Krieg und einer erneuten Annexion des Elsass und des Departement Moselle.
Bildnachweis: Geschichtszentrum Alsace-Moselle, BRISBOIS-Bestände.
Der Beginn des Zweiten Weltkriegs im Elsass und im Departement Moselle
Bildnachweis: Stadtarchiv Sarreguemines
Der Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Polen am 1. September 1939 führt dazu, dass das Vereinigte Königreich und Frankreich Deutschland am 3. September 1939 den Krieg erklären.
Die Folgen sind im Elsass und im Departement Moselle unmittelbar spürbar, als ein Drittel der Bevölkerung in den Südwesten evakuiert werden musste.
Während des „Sitzkriegs“ (von September 1939 bis Mai 1940) beziehen Tausende von Soldaten aller Regionen Frankreichs Stellung in den elsässischen und mosellischen Festungen der Maginot-Linie, die Frankreich vor einem deutschen Angriff schützen sollen.
Ab dem 10. Mai 1940 geraten die französische Armee und die Bevölkerung durch den Blitzkrieg in Bedrängnis, der eine Niederlage und eine Fluchtwelle auslöst. Innerhalb von etwa vierzig Tagen ist Frankreich besiegt. Die Ernennung von Marschall Pétain zum Ratspräsidenten am 16. Juni 1940 war der Auftakt zur Unterzeichnung des Waffenstillstands am 22. Juni 1940.
Bildnachweis: Departementsarchiv des Bas-Rhin.
Die De-facto-Annexion des Elsass und des Departements Moselle durch das Dritte Reich
In keinem Absatz dieses Waffenstillstandsabkommens wurde das Schicksal des Elsass und des Departement Moselle erwähnt.
Dennoch beschließt Adolf Hitler, die drei Departements Bas-Rhin, Haut-Rhin und Moselle de facto zu annektieren.
Bereits im Sommer 1940 erleben die Elsässer und Mosellaner den Alltag des totalitären NS-Regimes, das diese Gebiete als deutsches Territorium betrachtete. An der Spitze der Gau Oberrhein und Gau Westmark, denen nun das Elsass und das Departement Moselle angegliedert wurden, führen die Gauleiter Robert Wagner und Josef Bürckel eine Politik der Entfranzösisierung und Nazifizierung der Bevölkerung und des Gebiets ein: Durchsetzung der deutschen Sprache überall und für jeden, Beseitigung aller französischen Symbole und deren Ersatz durch NS-Symbole, Germanisierung der Namen öffentlicher Plätze, Städte und Dörfer, Umschreibung der Geschichte des Gebiets, Germanisierung des Standesamtes, Währungsumstellung, ständige Kontrolle der Bevölkerung, Überwachung und Gleichschaltung von Bildung und Kultur, Kontrolle von Religionen und Vereinen, Indoktrinierung der Jugend, Einreihung und Zwansrekrutierung junger Elsässer und Mosellaner…
(MZ vom 8. August 1940).
Bildnachweis: Departementsarchiv der Moselle.
Bildnachweis: AVES-Sammlung.
Während die Mehrheit ums Überleben kämpft und andere kollaborieren, hindern Repressionen, die Internierung im Sicherungslager Vorbruck-Schirmeck und die Einführung der Kollektivhaftung einen Teil der Bevölkerung nicht daran, Widerstand zu leisten.
Nach der Niederlage von Stalingrad Anfang 1943 führt der von Adolf Hitler und Josef Goebbels angestrebte totale Krieg zu einer noch stärkeren Unterdrückung der Elsässer und Mosellaner, die unabhängig von ihrem Alter zur Teilnahme an den Kriegsanstrengungen gezwungen wurden.
Die Befreiung
Bildnachweis: Stadtarchiv Colmar.
Die Landungen in der Normandie am 6. Juni 1944 und in der Provence am 15. August 1944 lassen die Befreiung des Elsass und des Departements Moselle erahnen, die am 6. September 1944 mit der Befreiung des Moseldorfes Gorze beginnt.
Die Wetterbedingungen, die Befehle, die Adolf Hitler seiner Armee erteilt, und die hohe Dichte an Städten und Dörfern in diesen Gebieten erschweren die Befreiung des Elsass und des Departement Moselle.
Nach mehreren monatelangen Kämpfen, in denen die Bevölkerung unter Bomben und Beschuss litt, wurde das Gebiet des Elsass und des Departement Moselle Ende März 1945 endgültig befreit.
Am 8. Mai 1945, zum Zeitpunkt der Kapitulation von Deutschland, erlangen die Elsässer und Mosellaner im Zuge der Säuberungsaktionen ihre Freiheit vollständig zurück. Jedoch haben sie auf Nachrichten von den Zwangsrekrutierten gewartet, die in sowjetischen Lagern gefangen gehalten wurden.
Von den 130 000 Elsässern und Mosellanern, die diese Einberufung erdulden mussten, sind etwa 30 000 verschwunden, vermisst oder gestorben, und 90 000 sind in ihre Heimat zurückgekehrt. Der letzte Zwangsrekrutierte, der aus einem dieser Lager zurückkehrte, kam erst 1955 nach Hause.
Die Nachkriegszeit und der Aufbau Europas
Aus den Trümmern des Zweiten Weltkriegs entsteht der Aufbau Europas, bei dem das Elsass und das Departement Moselle eine wichtige Rolle spielen. Von der Gründung des Europarats im Jahr 1949 über die Rede von Robert Schuman im Jahr 1950, die im folgenden Jahr zur Gründung der EGKS führt, wird die Geschichte Europas durch den Kalten Krieg, die Konfrontation der Blöcke und den Zusammenbruch der Sowjetunion im Jahr 1991 geprägt.
Als Kriegsgebiet im 19. und 20. Jahrhundert bilden das Elsass und das Departement Moselle heute mit der Ansiedlung der Sitze europäischer Institutionen in Straßburg: Europarat, Europäisches Parlament, Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte, eines der Zentren Europas.
Bildnachweis: Europäische Union – Europäische Kommission.