Das Kino wird zu einer politischen Frage. Eine Anweisung des Chefs der Zivilverwaltung Gebiet Lothringen und des Gauleiters Josef Bürckel vom 10. Oktober 1940 besagt, dass Kinos in Metz von Personen geleitet werden müssen, die für ihre fachliche und politische Kompetenz anerkannt sind.Davon zeugt die Ernennung von Heinrich Meisenzahl zum Leiter der Lothringer Lichtspieltheater GmbH im Jahr 1943, der elf Kinosäle im Departement Moselle verwalten sollte. Im Schriftwechsel zwischen dem Bürgermeister von Metz, der Bedenken hinsichtlich dieser Wahl hegt, und der Propagandaleitung des Gaus Westmark wird ihm versichert, dass Meisenzahl aufgrund seiner fachlichen Qualitäten und seiner langjährigen Tätigkeit in diesem Bereich ausgewählt wurde. Tatsächlich hatte sich Heinrich Meisenzahl bereits vor der Annexion im Departement Moselle niedergelassen und war mit den örtlichen Gegebenheiten bestens vertraut.
Im Elsass werden Kinos, deren Besitzer als „Feinde des Volkes und des Reichs“ gelten, beschlagnahmt. Der Referent für Film der Gaufilmstelle äußerte sich auf einen Antrag auf Genehmigung zur Übernahme eines Kinos, das einem Juden gehörte, wie folgt:
Le Referent für Film (« Responsable cinéma » de la Gaufilmstelle – « agence régionale du Film »), dit en réponse à une demande d’autorisation de reprise d’une salle de cinéma appartenant à un juif que : „Es versteht sich von selbst, dass nur zuverlässige Elsässer in Betracht gezogen wurden und, dass aufgrund der großen Zahl der eingegangenen Bewerbungen […] beschlossen wurde, zwei gebürtige Elsässer als Kinobetreiber zu ernennen.“.
Foto 52 Im Gegensatz zum Moselgebiet werden von den neuen Betreibern also keine beruflichen Fachkenntnisse erwartet. Nur vier von zehn neuen Betreibern waren zuvor in der Filmbranche tätig, darunter Sepp Allgeier, der als Kameramann für den Bergfilm-Spezialisten Arnold Franck und für Leni Riefenstahl arbeitete, unter anderem bei Triumph des Willens (1935).
Foto 46 : Stadtarchiv Metz (2 Z30) – Schreiben der Propagandaleitung des Gau Westmark vom 18. Juni 1943, das die berufliche Qualifikation von Heinrich Meisenzahl bestätigt.
Foto 47 : Stadtarchiv Metz (2 Z30) – Schreiben der NSDAP-Ortsgruppe Metz vom 28. Juni 1943, in dem dem Bürgermeister von Metz mitgeteilt wird, dass Heinrich Meisenzahl eine „politisch zuverlässige“ Person sei.
Foto 48 : Alle Rechte vorbehalten – Sepp Allgeier (zweiter von links) bei den Dreharbeiten zu Triumph des Willens (1934/1935) mit Leni Riefenstahl.