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Kino im Dorf dank Tonfilmwagen

Die Gaufilmstelle Baden der NSDAP legt besonderen Wert auf ländliche Gebiete ohne Kinos und plant ein spezielles Programm, um sicherzustellen, dass die gesamte Bevölkerung deutsche Filme und die dazugehörigen Sendungen sehen kann, insbesondere die Wochenschauen, die die Verbindung zwischen Front und Heimat stärken sollen.
Ähnlich wie bei einer Vorführung im Kino besteht das Programm aus einem Spielfilm, einem Kulturfilm und der Wochenschau. Die Vorführung findet in der Regel in den „Gemeindesälen“ statt, je nach Größe des Dorfes, oder auch in Brasserien, Gasthöfen oder Restaurants. Es sind die berühmten Tonfilmwagen, die mit Tonfilmprojektoren ausgestattet sind, die die Filme in die elsässischen Dörfer bringen.


Um die Filme in der Region zu verbreiten, stützen sich die Verantwortlichen auf die territoriale Gliederung, nämlich die Kreise und Ortsgruppen, und ergänzen diese durch ein spezielles Netzwerk für den Film. So senden die Kreisfilmstellen den lokalen Ansprechpartnern, den Ortsfilmstellenleitern oder den für die Organisation der Vorführungen zuständigen Kinobeauftragten, Unterlagen zu, damit diese die Vorführung fristgerecht im Rahmen des „halbjährlichen“ Spielplans einplanen können. Anschließend müssen sie die Eintrittskarten und die Kosten für die Vorführung den Vorführern der Zentralstelle in Rechnung stellen, die die Gebiete durchziehen.


Auch wenn es schwierig ist, die Wirkung dieser Vorführungen außerhalb von Berichten in einer, gelinde gesagt, voreingenommenen Presse einzuschätzen, muss man doch feststellen, dass die Zeitungen darüber mit großer Begeisterung berichten! In der Kleinstadt Kintzheim ist die Besucherzahl mit 171 Zuschauern für den Film Die Große Königin hoch, einen Film mit starker politischer Botschaft, der am 26. März 1943 gezeigt wurde. Auch wenn sich die Besucherzahlen des ländlichen Wanderkinos angesichts der derzeitigen Quellenlage nicht quantifizieren lassen, können wir dennoch mit Sicherheit sagen, dass das Regime alles daransetzt, um eine ebenso hohe Besucherzahl wie in den Städten zu erreichen.

Foto 57 : Privatsammlung William Gillespie – Foto von Tonfilmwagen des Gau Thüringen auf den Straßen. Auf dem unteren Foto ist ein Plattenspieler zu sehen. Damit wurde Musik abgespielt, während man darauf wartete, dass sich das Publikum versammelte.

Foto 58 : Privatsammlung Sébastien Soster – Dokument, das am 05.05.1944 vom Kreisfilmstellenleiter des Kreises Sélestat an den Ortsfilmstellenleiter von Kintzheim zur Veranstaltung einer Filmvorführung am 24.06.1944 gesendet wurde.

Foto 59 : Privatsammlung Sébastien Soster – Rechnung für die Vorführung von Die Große Königin in Kintzheim im März 1943.

Foto 60 : BNUS – Strassburger Neueste Nachrichten, 31. Juli 1941. Artikel mit dem Titel „Film im Dorf“, in dem für die Wanderaufführung des Films „Feinde“ (1940, Viktor Tourjansky) in Achenheim sowie für die gleichzeitig gezeigten Wochenschauen geworben wird.