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Stimmen von zuschauern and zuschauerinnen

Die Darstellung der Geschichte des Kinos im annektierten Elsass und im Moselgebiet anhand von Zeitzeugenberichten ermöglicht eine tiefgreifende Analyse der Rolle dieser Freizeitbeschäftigung während des Krieges und unter einem totalitären Regime. Während mehreren Jahrzehnten wurde das Thema Unterhaltung und Freizeit in historischen Arbeiten zu dieser Zeit nicht berücksichtigt. Trotz einer großen Anzahl von Interviews mit Zeitzeugen des Krieges wurden diese nie zu ihren kulturellen Gewohnheiten befragt.

Diese Berichte, die ab 2010 gesammelt wurden, beziehen sich hauptsächlich auf Personen, die damals im Jugendalter waren. Oft waren sie zu jung, um eingezogen zu werden, aber zu alt, um als Kinder zu gelten, und so waren sie es, die am häufigsten ins Kino gingen. Indem man ihnen das Wort erteilt, lässt sich das von den Nazis produzierte deutsche Kino nicht nur unter dem einseitigen Blickwinkel der Propaganda betrachten. Man betrachtet es vielmehr aus der Perspektive der Rezeptionsgeschichte.

Das Kinoerlebnis scheint für sie eine persönliche Erfahrung zu sein, die ihnen niemand nehmen kann, ein Mittel des Widerstands gegen alle Zwänge, die sie umgeben. Filme ermöglichen es den Zuschauern, dem Alltag zu entfliehen und zu träumen. In einem Kinosaal, entfernt von den Verpflichtungen des Alltags, entfaltet sich der Zauber. Es ist ein einzigartiger Moment für sich selbst, in dem man sich mit den Schauspielern und Schauspielerinnen identifizieren kann, trotz der Propaganda im Vorprogramm.

Foto 73 : AVES – Foto einer Schlange von Zuschauern vor den Türen des Kinos „U.T.“ in Straßburg (um 1940–1944)

Foto 74 : AVES – Zeitungskiosk in Straßburg (am Adolf-Hitler-Platz, d. h. am Place Broglie) mit einer Filmzeitschrift zum Film „Auf Wiedersehen, Franziska“ (1941, Helmut Käutner).