Das Weimarer Kino, dessen Name auf die Deutsche Republik zwischen 1919 und 1933 Bezug nimmt, beschränkt sich nicht auf diese expressionistischen Filme. Unter dem Einfluss der UFA entwickelt sich ein sehr innovatives und immer populäreres Kino, das schließlich die Aufmerksamkeit der Hollywood-Produzenten auf sich zieht, welche daraufhin versuchen, deutsche Schauspieler in die Vereinigten Staaten zu gewinnen.
Dies gilt beispielweise für den Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau, den Regisseur von Nosferatu, oder auch für Emil Jannings, der 1927 der erste oscarprämierte Schauspieler war. Einige Jahre später, nach dem Beginn des Tonfilms, kehrt er nach Deutschland zurück, da er nicht gut Englisch sprechen kann. Er spielt in Der blaue Engel (Josef von Sternberg, 1930) mit, dem Film, der Marlene Dietrich zu Ruhm verhilft, einer weiteren Schauspielerin, die unmittelbar nach der Berliner Premiere des Films nach Hollywood ging.
Zu Beginn der 1930er Jahre erlebt das deutsche Kino seine Blütezeit. Dank ihres anerkannten technischen und künstlerischen Fachwissens entwickelt sich die UFA mit ihren Babelsberger Studios zu einem der wichtigsten Zentren der europäischen Filmproduktion. Damals drehte man Filme in mehreren Sprachversionen zwischen Deutschland, Frankreich und Italien, wobei die Filme „quasi gleichzeitig“ in allen drei Sprachen nach demselben Drehbuch, mit denselben Kulissen und manchmal sogar mit denselben Schauspielern gedreht wurden. Diese kreative Phase wird jedoch bald durch politische Umbrüche erschüttert.
Der Aufstieg des politischen Nationalismus in Deutschland führt bereits vor der Machtergreifung der Nationalsozialisten dazu, dass sich viele Künstler freiwillig ins Ausland begeben. Dies gilt für die meisten Künstler jüdischer Herkunft, aber auch für diejenigen, deren Nähe zum Kommunismus vermutet wird. Diese Flucht wird durch Hitlers Machtübernahme im Januar 1933 noch verstärkt. Dennoch mangelt es dem deutschen Kino der 1930er Jahre nicht an Talenten: die meisten Künstler und Filmtechniker der Weimarer Republik arbeiten weiterhin in einer Branche, die nun unter der Kontrolle des Regimes steht.
Foto 5 : Archives cinématographiques de l’est – Emil Jannings in Der blaue Engel, Foto aus dem 1935 erschienenen Buch Vom Werden der deutschen Filmkunst: Der Tonfilm von Oskar Kalbus.
Foto 6 : Archives cinématographiques de l’est – Marlene Dietrich in Der blaue Engel, Foto aus dem 1935 erschienenen Buch Vom Werden der deutschen Filmkunst: Der Tonfilm von Oskar Kalbus.
Foto 7 : Archives cinématographiques de l’est – Luftaufnahme der UFA – Studios in Babelsberg (Potsdam), Foto aus dem 1935 erschienenen Werk Vom Werden der deutschen Filmkunst: Der Tonfilm von Oskar Kalbus.