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TEXT ENTSTANDEN MIT UNTERSTÜTZUNG VON PAUL LESCH

Luxemburg: deutsche Filme sehen, zwischen Ablehnung und Begeisterung

Bereits vor dem Krieg waren deutsche Filme in Luxemburg sehr beliebt. Das Publikum versteht sie leicht, und Komödien, Musikfilme oder Abenteuerfilme aus Deutschland erfüllen die Kinosäle des Großherzogtums. Diese Beliebtheit ist jedoch begrenzt, denn Filme mit offen politischem Inhalt finden weitaus weniger Anklang. Nach dem Einmarsch im Mai 1940 und der anschließenden De-facto-Annexion Luxemburgs durch die Nazis wird das Kino unter deutsche Kontrolle gestellt.

Französische, britische und amerikanische Filme werden aus dem Programm gestrichen, während die Deutsche Wochenschau und Kulturfilme das Programm bestimmen. Wie im Elsass und im Moselgebiet sehen die Zuschauer vor allem deutsche Produktionen, und es sind dieselben Genres, die Erfolg haben: Komödien, Musikfilme, Melodramen und Starfilme. Nach Kriegsbeginn kehren die Luxemburger trotz einer kurzen Phase des Kinoboykotts ins Kino zurück, um dort einen Moment der Flucht aus dem Alltag zu suchen.

Die Zuschauerreaktionen werden vom Sicherheitsdienst (SD), dem Nachrichtendienst der SS, genau verfolgt. Die Berichte erinnern daran, dass das Kino von den Nazis als politisches Instrument betrachtet wurde und, dass die Wirkung der Filme vom SD ständig bewertet wurde.

Diese Politik trifft jedoch auf Widerstand in der lokalen Bevölkerung. Die „deutsche Wochenschau“ löst bei den Zuschauern manchmal Ablehnung aus:

  • in Esch-sur-Alzette verlässt ein Teil des Publikums den Saal noch vor Beginn der Vorführung,
  • in der Stadt Luxemburg lösen Bilder von deutschen und italienischen Flugzeugen, die ihre Ziele bombardieren, Gelächter aus.

Selbst manche berühmten Propagandafilme erzielen nicht die gewünschte Wirkung. Im Fall von Ohm Krüger (1941, Hans Steinhoff) müssen die Behörden feststellen, dass sich viele Luxemburger trotz einer groß angelegten Werbekampagne weigern, den Film anzusehen. Der Film ist eine Anklage gegen die Briten, und das luxemburgische Volk fühlt sich den Engländern verbunden, schon allein aufgrund der Tatsache, dass der Großherzog und seine Familie damals dort Zuflucht gesucht hatten.

Die lokalen Programmgestaltungen sind nach wie vor von der Geschichte, der Sprache, dem Publikum und den lokalen Gegebenheiten geprägt. Obwohl die Annexionen im Westen es den Nazis ermöglichen, die Kinos von Eupen in Belgien bis hin zu denen in Mulhouse im Elsass zu kontrollieren, was einem Streifen von etwa 375 Kilometern entspricht, unterscheidet sich die Geschichte des Kinos in diesen Gebieten doch ein wenig, ebenso wie die Rezeption durch das Publikum.

Foto 95 : Privatsammlung von Paul Lesch – Foto des Kinos „Corso“ in Luxemburg zu Weihnachten 1942. Der Film „Wiener Geschichten“ (1940, Géza von Bolváry) wird gezeigt.