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Das verpasste Erlebnis der Zuschauer mit französischen Filmen

Trotz einer ebenso ausgeprägten anti-französischen und anti-britischen Politik wie im benachbarten Moselgebiet zeigt Luxemburg im September 1942 in seiner Hauptstadt einen französischen Film.

Es handelt sich um den Film Premier Rendez-vous unter der Regie von Henri Decoin mit Danielle Darrieux. Es ist der dritte Film, der von den Continental-Studios produziert wurde, dem französischen Studio unter der Leitung des Deutschen Alfred Greven, einem Vertrauten von Joseph Goebbels, und der direkt von Deutschland finanziert wurde. Der Film wurde zehn Tage lang im Kino Metropol in Luxemburg gezeigt. Der Erfolg des Films hat die Behörden vermutlich dazu veranlasst, das französische Kinoerlebnis in Luxemburg nicht zu wiederholen.

Doch die Geschichte geht weiter: nach dem Krieg berichtet der Journalist Jean-Pierre Barrot in der Zeitschrift L’Écran Français, dass 1942 in Straßburg ein Film „mit Danielle Darrieux“ gezeigt werden sollte, der jedoch aufgrund seines allzu französischfreundlichen Erfolgs in Luxemburg verboten wurde!

Im Jahre 2014 erzählte Raymond, ein in Forbach befragter Zuschauer, er habe während des Krieges einen Film mit Danielle Darrieux gesehen. Wie ist das möglich? Ganz einfach, weil die Deutschen die französischen Filme der Continental in deutschen Städten in der Nähe der ehemaligen französischen Grenze (Saarbrücken, Baden-Baden, Karlsruhe…) zeigten.

Paradoxerweise haben die Zeitungen in den annektierten Gebieten sogar für diese Filme und deren Vorführungen in den Städten geworben. Dies gilt auch für weitere Filme.

So belegt die Anekdote über diesen französischen Film, der 1942 in Luxemburg gezeigt wurde, dass die Nazi-Behörden die dem Dritten Reich angegliederten Gebiete weiterhin als sensible Zonen betrachten und, dass eine Art kulturelle Grenze sie trotz der offiziellen Assimilationsrhetorik weiterhin vom übrigen Deutschland trennte. Dies zeugt zudem von einer echten Anpassungsfähigkeit und der Berücksichtigung jener Zielgruppen, die um jeden Preis germanisiert werden müssen, ohne sie dabei zu bedrängen oder irgendwelche frankophilen Gefühle zu wecken.

Foto 96 : Alle Rechte vorbehalten – Filmplakat zu Premier Rendez-vous.

Foto 97 : Stadtarchiv Metz – Anzeige in der „Metzer Zeitung“ zur Vorführung des Films in Saarbrücken, Deutschland.

Foto 98 : Marchivum – Anzeige in der Zeitung „Hakenkreuzbanner“ in Mannheim vom 31. Oktober 1942 zur Vorführung des Films „Ihr erstes Rendezvous“ im Capitol.