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Die Elsässer und Mosellaner: ein Publikum wie jedes andere?

Die Freiheit, deutsche Filme zu lieben

Während der De-facto-Annexion geht man weiterhin ganz selbstverständlich ins Kino: man geht in einen Kinosaal, verfolgt die Stars, lacht, weint, summt Lieder mit. Vor allem der Rahmen, in dem diese Freizeitbeschäftigung stattfindet, ändert sich. Die Filme, die im Elsass und im Moselgebiet gezeigt werden, sind nicht nur diejenigen, die das Publikum gerne sehen möchte, sondern auch diejenigen, die das NS-Regime erlaubt, durchsetzt oder unterstützt.

1944 wurde vom Propagandaministerium eine Liste veröffentlicht, in der die erfolgreichsten Filme des Reichs aufgeführt sind: an erster Stelle steht Die goldene Stadt, gefolgt unter anderem von Der weiße Traum, Immensee, Die Große Liebe, Wiener Blut, Wunschkonzert, Münchhausen, Annelie, Hab mich lieb!, Fronttheater, Die Große Nummer und Sophienlund.

Wenn man diese Liste mit den Charts in den Städten des Elsass und des Moselgebiets vergleicht, fällt eine deutliche Übereinstimmung mit den in Deutschland identifizierten großen Erfolgen auf. Die goldene Stadt, Wiener Blut, Die Große Liebe, Annelie oder Der weiße Traum gehören ebenfalls zu den am häufigsten ausgestrahlten Filmen in den de-facto-annektierten Gebieten. Die Zuschauer im Elsass und im Moselgebiete finden also einen Teil der Filme wieder, die damals dem deutschen Publikum gefallen haben, ebenso wie sie oft dieselben Stars schätzen.

Das Ganze bildet eine Kulturlandschaft, die von einem Großteil der Bevölkerung des Dritten Reiches geteilt wird, was zweifellos ein Mittel zur kulturellen Assimilation darstellt, das von den Nazis bewusst als solches konzipiert wurde. Allerdings richtet sich das Kino je nach Gebiet unterschiedlich aus. Außerdem kann das Filmerlebnis je nachdem, ob man ein annektierter Elsässer, ein dem NS-Regime wohlgesinnter Deutscher, ein Soldat der Wehrmacht oder eine französische Zuschauerin ist, deren Ehemann in Kriegsgefangenschaft ist, ganz unterschiedlich ausfallen. Man kann hier den Fall einer bekannten tragischen Figur erwähnen, nämlich den von Anne Frank. Im „Hinterhaus“, wo sie mit ihrer Familie in Amsterdam versteckt lebt, träumt sie dank der Zeitschriften, die ihr Freund Victor Kugler ihr bringt, weiterhin vom Kino. Darin entdeckt sie Zusammenfassungen der neuen Filme, die gerade in den Kinos laufen, hauptsächlich deutsche Produktionen.

Das ist die ganze Zweideutigkeit des Kinoerlebnisses während der De-facto-Annexion. Das deutsche Kino steht unter Kontrolle, wird überwacht und in das Germanisierungsprojekt integriert. Doch im Schutz dieser Kinosäle nehmen die Zuschauer die Filme nicht unbedingt so wahr, wie es sich die Behörden wünschen. Sie können eine Komödie mögen, ohne das Regime zu unterstützen, sich einen Refrain merken, ohne die Ideologie zu übernehmen, und im Film einen Freiraum inmitten eines von Zwängen geprägten Alltags suchen.

Foto 99 : Deutsches Filminstitut & Filmmuseum – Foto aus dem Film Fronttheater (1942, Arthur Maria Rabenalt).

Foto 100 : Alle Rechte vorbehalten – Titelseite der Filmzeitschrift „Illustrierter Film-Kurier“ „Der weiße Traum“ (1943, Géza von Cziffra).

Foto 101 : Deutsches Filminstitut & Filmmuseum – Foto aus dem Film Wiener Blut (1942, Willi Forst).