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Goebbels möchte mit Hollywood konkurrieren und somit das deutsche Kino zum bedeutendsten in Europa machen: ein „nazistisches Hollywood“. Zu diesem Zweck greifen die deutschen Filmstudios auf amerikanische Methoden zurück, wie beispielsweise die Heranbildung und Förderung von Stars sowie die Inszenierung populärer Genres, um möglichst viele Zuschauer zu erreichen.

Allerdings tut sich die Branche schwer damit, eine Schauspielerin hervorzubringen, die eine künstlerische Ausstrahlung wie Marlene Dietrich besitzt und das Publikum über die Grenzen des deutschen Filmmarktes hinaus begeistern kann. In diesem Zusammenhang sucht die Filmindustrie europaweit nach neuen Nachwuchstalenten, um das neue Wahrzeichen des deutschen Kinos zu finden, welches mit den großen Stars des amerikanischen Kinos im Wettbewerb treten kann.

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bietet dem Regime eine einzigartige Gelegenheit, das deutsche Kino zur Nummer eins auf dem europäischen Markt zu machen. Die Filmproduktionen der kriegführenden Länder gehen aufgrund der Kampfhandlungen und der Mobilmachung stark zurück. Außerdem übernehmen die Deutschen, sobald sie ein Land besetzen und ein Gebiet annektieren, die Kontrolle über den Filmvertrieb und überfluten den Markt anschließend mit ihren eigenen Filmen.

Gleichzeitig wurde die Entwicklung eines Farbfilms, der mit dem amerikanischen Technicolor konkurrieren konnte, zu einem zentralen Ziel der Nazis. Goebbels wusste, dass nach dem Tonfilm die nächste Revolution auf das Kino wartete. Dies gelang 1940 mit dem Erscheinen des ersten in Agfacolor gedrehten Films: „Frauen sind doch bessere Diplomaten“ (Georg Jacoby).

In dieser Hinsicht ist die Kinosaison 1940–1941 in Frankreich bezeichnend für diese deutsche Vorherrschaft. Hinzu kommt das vollständige Verbot, im August 1940 irgendeinen amerikanischen Film zu importieren, zu verbreiten und vorzuführen (ein Verbot, das auf alle von der Wehrmacht besetzten Gebiete in Europa ausgedehnt wurde). Ohne die Konkurrenz aus Hollywood kann die deutsche Filmindustrie bis zum Kriegsende ungehindert die Kinos mit ihren Propagandafilmen und vor allem mit Unterhaltungsfilmen überfluten$

Foto 25: Stadtarchiv Thionville (83Fi22) – Das Kino SCALA in Thionville im Jahre 1936 anlässlich der Vorführung des amerikanischen Films Madame Butterfly (1932, Marion Gering).
Dieses Foto aus der Vorkriegszeit belegt, dass amerikanische Filme in den örtlichen Kinos gezeigt wurden. Ab 1940 jedoch wurden im Elsass und im Moselgebiet, die vom NS-Regime annektiert und germanisiert worden waren, bis zur Befreiung keine amerikanischen, englischen oder französischen Filme mehr gezeigt.

Foto 26 : Deutsches Filminstitut & Filmmuseum – Vom U.F.A.-Studio bearbeitetes Standbild für den Agfacolor-Film: „Frauen sind doch bessere Diplomaten“ (1940, Georg Jacoby).

Foto 27 : Niederländisches Nationalarchiv – Lida Baarova (1914–2000), eine tschechische Schauspielerin, gehörte zu den ausländischen Stars, die ab 1934 von der U.F.A. in Berlin unter Vertrag genommen wurden. Die äußerst beliebte Schauspielerin wurde in Deutschland nach einer zweijährigen Liebesbeziehung mit Goebbels zur persona non grata. Der Minister war bekannt für seine zahlreichen Affären mit Filmschauspielerinnen. Eine Affäre, die beinahe zu seiner Scheidung geführt hätte, wäre nicht Hitler persönlich eingeschritten.