Die Instrumentalisierung des Kinobesuchs
Der Kriegsausbruch am 3. September 1939 führt sofort dazu, dass die Filmvorführungen nicht mehr fortgesetzt werden können. In der „roten“ Zone, die sich zwischen der Maginot-Linie und der Grenze zu Deutschland befindet, werden die Filmvorführungen eingestellt, sobald der Evakuierungsbefehl erlassen wurde. In den übrigen drei Departements wird zunächst eine allgemeine Schließung beschlossen, diese dann aber wieder aufgehoben, da die Gefahr von Kampfhandlungen noch sehr gering war.
So werden die Vorführungen in Saverne oder auch in Sélestat fortgesetzt. Und seltsamerweise werden trotz der Kriegslage weiterhin deutsche Filme ausgestrahlt. Schließlich wird im Frühjahr 1940 infolge der Offensive der Wehrmacht die vollständige Schließung der Theater angeordnet. Im Moselgebiet werden alle Theateraufführungen durch einen Erlass der Präfektur vom 15. Mai 1940 eingestellt.
Die Truppen der Wehrmacht marschieren am 14. Juni in Metz ein und hissen die Nazi-Flagge auf dem Dom. Ein Teil der Einwohner ist aufs Land geflohen, doch viele sind geblieben und beobachten die Lage mit Besorgnis. Man spürt dabei den Willen der Militärbehörden, den Alltag der Einwohner von Metz so schnell wie möglich zu normalisieren, als wäre diese Besetzung eine „Rückkehr zur Normalität“.
Auch die Kinos bleiben davon nicht verschont, und einer ersten offiziellen Ankündigung zufolge sollen zwei Kinosäle bereits am 20. Juni um 15:00 Uhr wieder öffnen. Kinovorstellungen sind ebenso wie Buslinien und Zugfahrpläne Orientierungspunkte im Alltag. Je schneller sie wieder aufgenommen werden, desto stärker wird das Gefühl der Normalität.
Foto 36 : Departementsarchiv der Moselle – Bekanntmachung über die Wiedereröffnung der Kinos „Rex“ und „Palace“ in Metz am 20. Juni 1940.
Foto 37 : BNUS – Les Dernières Nouvelles de Strasbourg, 23.12.1939. Am Weihnachtswochenende 1939 bietet das Cinéma Parisien in Sélestat ein Doppelprogramm mit Der Tiger von Eschnapur und Das indische Grabmal an, beide unter der Regie von Richard Eichberg und mit der Schauspielerin La Jana in der Hauptrolle.
Foto 38 : Bibliotheken und Mediatheken von Metz, De-Busson-Bestand – Rue Serpenoise mit einer aufgehängten Nazi-Flagge (1941).